Kaffee verlängert das Leben

Eine Langzeitstudie der Universität von Navarra, Spanien zwischen 1999 und 2017 mit 43.000 Teilnehmer:innen ergab, dass die Sterblichkeit (egal welcher Grund) von Kaffeetrinkern (mindestens vier Tassen) um 64% niedriger liegt als bei Menschen, die keinen oder fast keinen Kaffee trinken. Erstaunlicherweise sank die Mortalität um weitere 30%, für jeweils zwei weitere Tassen pro Tag. Ja, natürlich kann man Kaffee überdosieren und mit Herzrasen und Bluthochdruck zusammenklappen, aber unterhalb dieser Menge ist Kaffee anscheinend besonders gesund. Ok. Ich mach gleich mal eine neue Kanne. Die erste für heute ist nämlich schon leer.

Jason erklärt, warum gefühlte Mehrheit so gefährlich ist

Jason zeigt uns sehr anschaulich in seinem Tiktok-Beitrag (ich hab das Video auf Bluesky verlinkt, damit ihr nicht Tiktok benutzen müsst), wie das menschliche Bedürfnis danach, Teil einer Gruppe und damit „normal“ zu sein, zu extremen Problemen führt. In unserer Gesellschaft. Zu verzerrter Wahrnehmung, zur Unterdrückung gefühlter Minderheiten, zu Gewalt. Er beginnt mit dem weit verbreiteten Cartoon, indem ein (gefühlter) Durchschnittsbürger in einem modernen Cafe nach schwarzem Kaffee fragt und der Barista ihm statt dessen unentwegt neue Modekaffeezubereitungen vorschlägt. Obwohl der Mann ja nur schwarzen Kaffee haben will. Haha, hihi. Allerdings, so beschreibt Jason, ist diese Situation aus der Luft gegriffen. Natürlich hat der Cartoon nichts mit dem wirklichen Leben zu tun. Allerdings, und hier wird es spannend, erzeugen neue Wahlmöglichkeiten tatsächlich in vielen Menschen das Gefühl, dass ihre eigene Einstellung sie auf einmal zu einer Minderheit macht. Wenn nicht gar zu einer Randgruppe. Und dann fällt einem ein, wie man bisher Randgruppen behandelt hat. Und das ist das Problem. Dass man Angst bekommt, so schlecht behandelt zu werden, weil man vielleicht selber zur Randgruppe gehört. Eben wie man selber bisher Randgruppen behandelt hat. Nämlich schlecht. Das tritt aber in der Realität nicht ein. Im Gegenteil. Man bekommt problemlos schwarzen Kaffee, Fleisch, Benzin, Heizöl, alles. Niemand hindert einen daran, seine Gewohnheiten beizubehalten. Aber die Angst davor führt dazu, dass viele Menschen aktiv gegen neue Wahlmöglichkeiten vorgehen. Alles Neue unterdrücken wollen. Gut erklärt, Jason. Danke.

Wie Arabien Europa vor dem Alkohol gerettet hat

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Der US-Publizist Mark Pendergrast beschreibt in seinem Buch „Uncommon Grounds“ (von 1999, deutsche Übersetzung „Kaffee. Wie eine Bohne die Welt veränderte“), wie in Europa vor der Neuzeit fast nur alkoholisierte Getränke genossen wurden, weil das Wasser durch unsachgemässe Behandlung oft Krankheiten übertrug. Das leichte Bier jener Zeit hatte natürlich die bekannten Nebenwirkungen, und die allgemeine Abstumpfung ging erst dann zurück, so Pendergrast, als der Handel mit Arabien auch Kaffee nach Europa brachte. Und so die Ära der Aufklärung und Vernunft erst ermöglichte. Dass mit dem arabischen Handel auch Wissenschaft und Philosophie auf den bäuerlichen europäischen Kontinent zurückkehrten, beschreibt der Harvard-Absolvent nicht so explizit; das darf aber als bekannt voraus gesetzt werden. Eine Lehre darf man aus dieser geschichtlichen Betrachtung ziehen, nämlich dass der geistige und kulturelle Austausch mit der arabischen Nachbarregion für Europa massive Vorteile gebracht hat und unbedingt weiter entwickelt werden sollte. Was natürlich nur gehen kann, wenn wir aufhören, dort Stellvertreter- und Rohstoffkriege zu führen. nytimes

Mit der Bombe leben, wenn auch nur für einen Tag

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Ihr habt es sicher alle mitbekommen: In meiner geliebten Heimat- und favourite Wohn/Schlafstadt ist eine am Ende „nur“ noch 1,8 Tonnen schwere Fliegerbombe ausgebaggert worden. Mitten in der City. Liegt da seit über 70 Jahren in der Erde und rostet vor sich hin. Klar, muss man entschärfen. Aber wenn das nicht so klappt, sind 1400 Kilo Sprengstoff unterwegs. Also wurde die Innenstadt geräumt, im Radius von 1,5 Kilometern, was 54.000 Einwohner betrifft. Mich auch, also hab ich heute morgen um 9 unter dem Getöse der Lautsprecherwagen („Hier spricht die Feuer­wehr, verlassen sie unverzüglich die Evakuierungszone…“) als letzter Bewohner das Haus abgeschlossen und mich in die Wohnung einer sehr guten Freundin (die somit mein Leben gerettet hat, irgendwie) am Cityrand geflüchtet (50 Meter hinter der roten Linie). Die sich selbst wiederum aus Feiertagsgründen bei Verwandten am Alpenrand (is ja nicht weit) aufhält, actually. Aber was mir beim Verlassen des Hauses aufgefallen ist: Es war nicht wie in „28 days later“, sondern fast alltäglich. Nur vorübergehend. Im worst case wären an meinem Wohnhaus, einen Kilometer von der Bombe entfernt, maximal Scheiben zu Bruch gegangen. Die drei Sprengmeister (pic unten) hätten dann mehr Pech gehabt, und die Häuser im engeren Viertel um den Blockbuster. Und dann? „Mit der Bombe leben, wenn auch nur für einen Tag“ weiterlesen

Cold Brew

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Einer dieser neuen Kaffee-Fashion-Trends: Cold Brew. Also Kaffee, mit kaltem Wasser zubereitet. Die ganz Engagierten verwenden dazu alchimistisch wirkende Tropfapparate, die über sechs Stunden oder mehr Wassertropfen in Kaffeepulver fallen lassen und das Ergebnis in kleinen Behältnissen sammeln. Oder man schüttet grob gemahlenen Kaffee in kaltes Wasser und stellt das Glas über Nacht in den Kühlschrank, und vor dem Genuss durch’n Filter (Tee- oder Kaffee) giessen. Das Ergebnis (in beiden Fällen): Kaffee mit höherem Koffein- und niedrigerem Säuregehalt. Lecker. Gerade im Sommer richtig prima. Das Bild zeigt ein ehemaliges Senfglas mit Kaffeepulver (frisch gemahlen) und Wasser, noch vor dem Schütteln. Im Hintergrund eine Bananenstaude. Habt ihr Erfahrungen mit Cold Brew Coffee? pic ist von mir, cc by

Der verschwundene Freitag

Donnerstagabend überleg ich noch kurz: Was liegt morgen so an? Nix, weil ich ja den Technik-Job im Theater an nen Kollegen abgeben konnte, damit ich abends schön auf die interne Eröffnungsparty in der Ballonfabrik gehen kann. Also ausschlafen. Hat auch was. Freitagmorgen, ca. 8:15 (also knapp nach Mitternacht): klingelklingel, telefontelefon. Nanu, wer ruft mich denn um diese Zeit an, ich schlaf doch noch. Aus mir selbst nicht verständlichem Impuls heraus robbe ich zum Schreibtisch, wo das Nervteil liegt: „Hallooo?“ „Guten Morgen, Herr Effenberger, wo sind Sie denn gerade?“ „Äh, zuhause..“ „Sie haben aber jetzt eine Veranstaltung!“ „Der verschwundene Freitag“ weiterlesen