Das Imperium schlägt zurück: Was Putin, Musk und Merz wirklich vorhaben

Und Höcke, Söder, Orban, bin Salman, Netanjahu… was alle diese Männer gemeinsam haben, ist die autoritäre Grundhaltung, der Wille zur Zerstörung der Demokratie. Manche sind darüberhinaus Faschisten, die bilden aber nur eine Teilmenge der Autoritären. In unserer Zivilisation gibt es zwei gegensätzliche Konzepte, die sich quer durch die Geschichte der Menschheit ständig abgewechselt haben: Zum einen das Prinzip der Gemeinschaft, in der alle Leute zunächst mal gleich viel wert sind, und in der man sich gegenseitig hilft, und zum andern das Prinzip der Ungleichheit. Hier gibt es oben und unten, also Leute, die mehr Rechte haben als andere, und dazu Feinde innerhalb und ausserhalb der Gesellschaft, die dazu dienen, das System der Ungleichheit zu stärken.

Beide Konzepte haben (subjektiv) ihre Vor- und Nachteile. In der freien Gemeinschaft fällt die vermeintliche Sicherheit weg, die ein hierarchisches Raster aus oben und unten verspricht, ebenso wie alle Aufstiegschancen durch Andienern an Mächtige. Deswegen sind auch in demokratischen Ländern rund ein Drittel aller Leute auf der Seite der Autoritären. Dazu kommen die vielen Unsicheren, Unschlüssigen, Bequemen, die sich durch Propaganda (aka Social Media) beeinflussen lassen. Dabei ist es gleich, ob die Propaganda sich gegen Klimaschutz, gegen sexuelle Freiheit, gegen Erwachsen sein als Mann, gegen moderne Energietechnik, gegen post-religiöses Leben, gegen Wissenschaft, Aufklärung und Vernunft richtet, ihr Ziel ist immer die Zerstörung einer Realität, die auf nachweisbare Fakten gegründet ist, und die Abhängigkeit von einem Führer, König oder selbsternannten Präsidenten und der uneingeschränkte Glaube an seine Worte.

Das alles – die beiden Systeme vermischen sich auch noch dauernd – wird tatsächlich noch komplizierter dadurch, dass das dunkle Imperium nicht nur Spassfiguren wie Darth Vader auffährt, sondern den religiös motivierten Kriegern in Bio-Jutebeutelbekleidung (aka Jedi) coole, finstere Gothic-Toons (aka Sith) entgegenschickt, die in puncto Style leider weit vorne liegen (Nichts gegen Bio-Jutebeutel, aber als futuristische Funktionskleidung find ich das unsexy). Aber sooo schwierig ist das ja auch nicht mehr. Jetzt, da wir drüber gesprochen haben. pic disney

Meister Yoda, bete für uns

In der immergrünen, von Flüssen durchströmten Ebene zwischen Alpen und Donau (da irgendwo wohne ich) wird eigentlich traditionell eine ziemlich positive Göttin namens Cisa verehrt, die mit Fruchbarkeit, Getreide und Ernte zu tun hat. Später wurde sie dann vom römisch/griechischen Pantheon und anschliessend vom untoten palästinensischen Zimmermannssohn verdrängt, mit jeweils zunehmendem Grad an Brutalität. Wie das mit dem Verdrängen von Göttern genau funktioniert, könnt ihr in Neil Gaimans „American Gods“ nachlesen.

Ist euch schon mal aufgefallen, dass die in der Bugwelle der Christianisierung vor einem Jahrtausend errichteten Kathedralen gerne der Gottesmutter Maria gewidmet waren („Kirche Zu Unserer Lieben Frau“) statt des toten/untoten Erlösers? Und dass sich in den Mischwäldern des keltischen Siedlungsraums (also da, wo ich ungefähr wohne) an Wegrändern unvermutet winzige Kapellen und Schreine zu Ehren der segen- und schmerzensreichen Cisa… ich meine… Maria finden? Womöglich verstanden die Kirchenfürsten zu Beginn des zweiten Millenniums eigener Zeitrechnung, dass sich ihr religiöser Herrschaftsanspruch nicht allein mit Gewalt durchsetzen lässt, sondern auch stealth tactics und gefühlte Wahrheit benötigt werden.

All das scheint mittlerweile ins Wanken zu geraten. Die auf dem Blut und Fleisch geknechteter Bauern und Handwerker errichteten Kathedralen bleiben leer, Jupiter und Juno kommen nur noch in Sandalenfilmen vor, und die Menschen wenden sich neuen Heilsbringer:innen zu. Wie ich in den erwähnten Wäldern vor den Toren meiner einstmals der Cisa geweihten Heimatstadt sehen konnte (siehe Beweisfoto oben, cc by sa), opfern die Menschen nun ihre Aufmerksamkeit und Bildhauerkunst dem Jedi-Meister Yoda. Von dem ja jede Menge echt weiser Text überliefert ist. Macht also Sinn, in Zukunft dorthin zu pilgern. Amen.