Warum ist J-Pop kulturell so überlegen?

Ex oriente lux, nicht wahr? Über Dekaden galt Japan als ein Land, das einfach alles nachmacht, was aus dem „Westen“ kommt. Das Klischee funktioniert schon lange nicht mehr. Im Gegenteil: Die Integrationsfähigkeit japanischer Künster:innen trampelt ganze westliche Metropolen nieder. Bildlich gesprochen. Was Hanabie (oben) aus einer musikalisch zweifelhaften NuMetal-Grundlage zaubern, verdient Respekt. Und wenn Babymetal (unten) seit 10 Jahren Metal in Kawaii-Zuckerguss tauchen und selbst unsägliche Rammstein-Für-Neunjährige-Bands wie die deutschen Electric Callboys in einen Anime-Mashup verwickeln, sollten keine Zweifel mehr bleiben.

Versteht mich richtig: Ich höre selten bis nie die obengenannten Bands, und meine eigene Band klingt auch ganz anders, aber ich muss anerkennen, dass hier eine epische kulturelle Gestaltungskraft um die Erde rollt. Kultur ist ja nicht wirklich, etwas zu machen, was schon alle kennen, sondern das zu nehmen, was existiert, es neu zu arrangieren und damit die Gegenwart auszudrücken. Und das tun sowohl Hanabie als auch Babymetal ganz hervorragend. Ob uns das jetzt gefällt oder nicht.

vids via revolver

Die Lösung aller Verkehrsprobleme

Ab März 24 werden die Besucher des Ghibli Park in Japan mit diesem Cat Bus (wie in „Mein Nachbar Totoro“) herumgefahren. Auf der technischen Basis des Toyota APM (Accessible People Mover) Elektrokleinbus für 5 Passagiere oder 3 Passagiere plus Rollstuhl oder 2 Passagiere plus Krankenliege löst der Katzenbus das lokale Transportproblem. Ja, natürlich, der freundliche People Mover ist eher für Distanzen da, die man auch zu Fuss bewältigen kann. Aber nicht alle Leute sind gleich gut zu Fuss. Und, stellt euch vor, auch in eurer Stadt werden die Kurzdistanzen von kostenlosen elektrischen Katzenbussen überbrückt. Das hebt doch die Laune ganz extrem, oder nicht? Ich denke, wir brauchen diese rollenden Verkehrsproblemlöser auch. In jeder Stadt. Überall. Meint ihr nicht auch?

Godzilla Minus One

Nach diversen, flach erzählten US-Versionen des Godzilla-Mythos endlich wieder eine japanische, mit sinnvoller Hintergrundstory, die das Trauma des verlorenen zweiten Weltkriegs (incl. Atombombenabwürfen) mit dem godzillagewordenen schlechten Gewissen der japanischen Nation ausdrückt. „Das Monster… es wird uns niemals verzeihen“, sagt einer der todgeweihten Protagonisten. Selbst wenn auch dieser Film die drei einzigen guten Szenen im Trailer zeigt (was ich nicht glaube), ist es wenigstens ein guter Trailer. Ein düsterer, blutiger Haiku statt des abgeschlossenen Schicksalsromans mit Actionelementen der Hollywoodfassung. Ich bin da mal gespannt.

Sammelkarten-Set: Japanische Fischer

Seit einem Jahr gibt es die von der Bezirksverwaltung im nord-japanischen Aomori veröffentlichen Sammelkarten mit Abbildungen lokaler Fischer, oft mit frisch gefangenem Fisch in Händen. Die Karten sind offenbar zur allgemeinen Überraschung ein Riesenhit unter Kindern und Jugendlichen, so dass die Verwaltung hofft, auf diesem Weg wieder mehr Nachwuchs für das Fischereiwesen zu bekommen. Produziert werden die derzeit rund 60 unterschiedlichen Karten von einem 32-jährigen Verwaltungsangestellten, der persönlich zu den Fischern geht, sie fotografiert und fragt, ob er ihr Bild für eine Sammelkarte verwenden darf. „Sammelkarten-Set: Japanische Fischer“ weiterlesen

Katsumi Hayakawa: Die Skulptur als Stadt

Papier, Druck, Acryl, Kunstrasen. Katsumi Hayakawa bringt in Malerei und Skulptur die urbane Landschaft in eine Form, die gleichzeitig unbegreiflich und vertraut unser Lebensumfeld beschreibt. Die Stadt, oder die Idee der Stadt, von aussen, von der Seite, als Bonsai Version ihrer selbst. Oder von Tokyo, wo der Künstler lebt, als Abstraktion von Urbanität.

via colossal

Japan: Fahrscheinstreik im öffentlichen Nahverkehr

In Okayama, Japan wurde geradeh eine interessante und effektive Form des Streiks im öffentlichen Dienst eingesetzt: Busfahrer stellen nicht etwa ihre Arbeit ein, was ja dazu führen würde, dass die Menschen nicht mehr zur Arbeit, in die Schule oder wohin auch immer fahren können. Statt dessen behalten die Fahrer während des Streiks ihre Tätigkeit bei, legen aber Decken oder Tücher über die Ticketkasse und verlangen kein Geld für die Beförderung. Die Bevölkerung hat daher keinen Nachteil aus dem Streik, nur der Arbeitgeber. Tatsächlich hat es diese Form von Fahrschein­streik schon früher gegeben, in Australien, Amerika und auch Europa. Kreative Streiformen werden heute dringend gebraucht. japantoday via boingboing

Chikan: Sexuelle Belästigung als Volkssport (für Männer)

Was an allen Diskussionen über sexuelle Gewalt, Belästigung, Vergewaltigung auffällt: Immer sind die Täter sehr, sehr anders als das Gros der Männer. Zumindest, wenn man dem Gros der Männer zuhört. Entweder Ausländer (sehr beliebt sind derzeit Nordafrikaner) oder zumindest Geisteskranke. Perverse. Keine normalen Männer eben. Die offiziellen Zahlen (Polizeistatistik) widersprechen dieser Sicht sehr eindeutig: Nach wie vor wird in Deutschland jede Stunde eine Frau vergewaltigt, alle paar Minuten belästigt. Da ist Japan schon beinahe einen Schritt weiter. „Chikan: Sexuelle Belästigung als Volkssport (für Männer)“ weiterlesen

Neue Häuser für die Krabben Japans

Die japanische Immobilienfirma Suumo hat sich von der Tokyo University of Marine Science and Technology eine tatsächlich sinnvolle Werbekampagne ausdenken lassen: Dringend benötigte Häuser für Einsiedlerkrabben werden in drei Grössen aus Kartoffelstärke hergestellt und am Strand verteilt. Mit Firmenlogo, aber das ist dann auch nicht weiter schlimm. Die Krabben müssen jedenfalls nicht mehr in scharfkantigem und schadstoffbelastetem Zivilisationsabfall wohnen. Die ursprünglich von ihnen bevorzugten Meeresschneckenhäuser gibt es jedenfalls nicht mehr in ausreichender Menge. spoon and tamago

Shin Gojira

Neuer, natürlich grossartiger Trailer vom nächsten, 31sten Godzilla-Film. Nach 12 Jahren endlich wieder ein Beitrag vom Toho-Filmstudio, produziert von Hideaki Anno and Shinji Higuchi. Im Kino ab Ende Juli. Ich fand die US-Remakes des Themas allesamt scheusslich und bin sehr gespannt auf das neue Original. via io9

Ladybaby: Nippon Manju

Das japanische Schulmädchentrio Babymetal hat Metal für immer verändert. Und hier ist der next level shit: Ladybaby. Zwei kleine Mädchen und ein bärtiger australischer Wrestler in geblümtem Kleidchen, der für die Death-Growls zuständig ist. Ansonsten der übliche zuckerschaumige J-Pop. Jede Generation hat die Metal-Bands, die sie verdient, oder? Wir wissen: 10 Millionen Youtube-Viewer können nicht irren. via vice