Clipse: So Be It

Clipse, also Pusha T und No Malice, haben nach 16 Jahren ein neues Album: Let God Sort Em Out. Produziert von Pharell, extrem cool, mit arabischen Samples über unaufgeregtem HipHop-Beat. Props an Pusha T, der in der Vergangenheit mit eng mit Kanye West, sich dann aber, Geld hin oder her, von ihm distanzierte, als dieser Nazi-Anfälle bekam. Die Lyrics mögen wir im alten Europa als nebensächlich und rekursiv empfinden, aber, wisst ihr was, die black culture der USA findet in so etwas wie einem feindlichen Land statt (wg. Rassismus), da muss man sich anders ausdrücken. So Be It.

Rome Streetz & Daringer: Starbvxkz

Lange nicht mehr so coolen HipHop gehört. Nicht ohne Gangsta, aber bei aller Erzählung von Drogenhandel und Strassengewalt doch mit einer klaren Empfehlung an die young people, nicht auf die Sache mit dem schnellen, dreckigen Geld reinzufallen. Easy targets, das sind junge Leute ohne Erfahrung, sagt Rome Streetz, während Daringer einen umwerfend relaxten OldSchool-Track drunterlegt. Respect.

Girl, like: Daaaammn!

Zoomer-Star Ice Spice (Isis Naija Gaston) stammt aus der Bronx und bringt seit einem Jahr die US Drill Scene durcheinander. Im Unterschied zu Kolleginnen identifiziert sie sich durch ihre orange Wuschelfrisur, unterkühlten Textvortrag und ein zentrales Thema: weibliches Selbstbewusstsein. Letzteres eine commodity, die von Millionen gleichaltriger Girls dringend gebraucht wird. Ihre Fans laufen unter #Munchies, nach Ice’s Track Munch (Feelin’ U), in dem sie klarstellt, dass ihre Attraktivität sie nicht zu Gefühlen gegenüber irgendwelchen Typen verpflichtet. Das alles hat ihr erstaunlich schnell Collabs mit Drake, Pink Panteress, Nicki Minaj, Taylor Swift eingebracht, die Message weiblicher Unabhängigkeit bleibt aber unverändert. Und das ist wichtiger als Ice’s Einfluss auf US Drill oder Hiphop oder Zoomer-Pop oder whatnot. Grah.

Sugar Daddy als feministische Hymne

Die US-Hiphop-Artistin Qveen Herby schlüpft in diesem Song in die Rolles eines „Sugar Babes“, also einer jungen Frau, die ihre Attraktivitäten für sehr viel Geld an einen einzigen Mann verkauft. Also gleichzeitig eine Form von Prostitution und eine Form weiblicher Selbstbestimmung – schliesslich hat sie in dieser Rolle deutlich mehr Kontrolle über sich selbst als etwa in einer wirtschaftlich begründete Ehe. Diese Selbstbestimmung führt Herby auch im real life durch: Sie veröffentlicht ihre Songs ohne Label oder Verlag, ist also völig independent. Ich denke, so funktionieren role models heute: „the bitches wanna judge me, but i don’t care“.

Ana Tijoux: Antifa Dance

Heute wichtiger als in Jahren: Antifaschistische Kunst. Gegen die Überlegenheits- und Herrschaftsphantasien einer kleinen Gruppe von weissen Cis-Hetero-Imperialisten und ihrer Fans. Am Ende laufen Klassismus, Sexixmus, Rassismus zu einem totalitären Blutrausch zusammen, die Gewaltfantasien emotional Verarmter treffen heute Sisha-Bars und Synagogen, gestern ganze Länder und Populationen, morgen hoffentlich weniger. Aber das liegt an uns. Und Props an Ana für die Zusammenfassung.

US-Entwicklungshelfer infiltrieren kubanische Hiphop-Szene

Nach Berichten von Associated Press und Al Jazeera hat die Entwicklungs­hilfe­behörde United States Agency for International Development (USAID) kubanische Hip-Hop-Musiker bezahlt, um regimekritische Inhalte zu verbreiten und die Bevölkerung gegen die kommunistische Regierung aufzubringen. Hier haben die Kubaner richtig Glück – oder eine Regierung, die es versteht, sich im Licht der Weltöffentlichkeit aufzuhalten. Anders lief es in Honduras, Haiti, Venezuela, Panama, Bolivien, Grenada, Nicaragua, El Salvador, Guatemala, Chile, der Dominikanischen Republik, Uruguay, Costa Rica, Mexico, Argentinien. „US-Entwicklungshelfer infiltrieren kubanische Hiphop-Szene“ weiterlesen

Rap die Revolution: Hiphop in Arabien

Torie Rose DeGhett hat auf The Awl einen fantastischen Überblicksartikel zur Rolle von HipHop im arabischen Frühling. Arabische Länder leiden ja unter einem weit höheren Bevölkerungsanteil mittelalterlich Gesinnter als der „westliche“ Industriegürtel, hier hat Musik noch eine sehr viel höhere soziale und politische Bedeutung, für die Identifikation für der Modernisierungsbewegung. „Rap die Revolution: Hiphop in Arabien“ weiterlesen