Das Land gehört niemandem, sondern allen

Grönland bekommt gerade sehr viel Aufmerksamkeit in den Medien, so als Ablenkung von den Epstein Akten, die uns zeigen, wie die Reichen und Mächtigen einfach machen, was sie wollen. Einschliesslich sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Aber zurück zur grössten Insel der Erde, die aber lange nicht so gross ist wie auf unseren, von der Mercator-Projektion verzerrten Weltkarten. Die Bewohner des eisigen Eilands, fast ausschliesslich Inuit, haben nämlich ein sehr interessantes Verhältnis zum Thema Grundbesitz: Das Land gehört allen. Gemeinsam. Wenn man ein Haus bauen will, holt man sich von der Dorfgemeinschaft eine Genehmigung dafür. Wenn man es kaufen oder verkaufen will, ebenfalls. Der Boden unter dem Haus gehört einem nicht, man benutzt ihn nur. Das ist ein radikal anderes System als im „Westen“, wo Land genauso gehandelt werden kann wie ein Sack Kartoffeln. Mit den bekannten Problemen, Ich finde das Inuit-System besser und würde es gerne auch hierzulande einführen. Einfach, indem man beschliesst, dass Landeigentum ab sofort nur noch Landnutzung bedeutet. Damit fällt zum Beispiel Spekulation weg. Und die Gemeinschaft bestimmt, was auf einem Stück Land jeweils passiert: Wohnhaus, Fabrik, Acker, Spielplatz, Wald. Ich weiss, dieses Konzept ist so radikal anders als wir es gewöhnt sind, dass es im politischen Spektrum gar nicht erst vorkommt – selbst in hardcore-kommunistischen Staaten, die so autoritär und diktatorisch regiert werden, dass sie eigentlich dem rechtsextremen Spektrum zugerechnet werden müssen, gehört das Land nicht allen, sondern dem Staat. Oder eben dem Diktator. Die Inuit machen das besser, und wir sollten von ihnen lernen.

pic antonio bovino cc by