Godflesh: A World Lit Only By Dub

Godflesh war, kalendarisch, gar nicht die erste Industrial Metal Band (Ministry gab es vorher), aber sie waren diejenigen, die definiert haben, wie industrial … Metal überhaupt sein kann. Jetzt hat Remix Warlock und Gitarren- und Groovesezierer Justin Broadrick zusammen mit dem kompromisslosesten Bassisten der nördlichen Hemisphäre, B. C. Green, ein Remixalbum zu A World Lit By Fire (mit dem Godflesh nach 12 Jahren in Rlyeh wiederkehrten) hingelegt: A World Lit By Dub. Wobei Dub in der Lesart von Broadrick und Green nicht so sehr Ganja und Jah bedeutet, sondern zu Dolmen gemeisselte Gitarrenakkorde, ein Stonehenge der späten Metallkultur, digitale Faustkeile und Feuersteine, eine präzise Beschreibung des Ungehörten, ein Propagandawerk der Befreiung vom Joch der neurotypischen Aussenwelt. Broadrick hat diagnostizierte autistische Begabung, und ich finde, das hört man. A World Lit By Dub ist, nicht untypisch für Godflesh, ein Grenzstein zwischen dem Hier und dem Unbekannten. Auf Bandcamp, Vinyl und CD ab jetzt.

Musik, die mich geprägt hat

In Krisenzeiten wie dieser läuft doch angeblich das ganze Leben an einem vorbei, und spielt einem die wichtigsten Platten seiner eigenen Musikkarriere vor. Ich weiss nicht, ob das wirklich so ist, aber das hier sind die beiden Scheiben, die mich als Musiker am meisten geprägt haben. Oben die erste LP von This Heat (1979), eine der extremsten prog/experimentalen Bands des New Wave, und unten die erste Godflesh (1988), die für mich ebenfalls alles veränderte. Musikalisch. Nicht nur innerhalb von Metal. Triggerwarnung: Beides keine Popmusik.

Controlled Bleeding: Swarm, J.K.Broadrick Remix

https://soundcloud.com/artoffactrecords/swarm-remix-by-justin-k-broadrick-godflesh

Mir erscheint das Konzept eines Jenseits mit unbegrenztem Halbleben grund­sätzlich nicht so ganz schlüssig, aber wenn sie dort solchen Sound spielen, wär ich dabei. via clrvynt

Die nukleare Version von Romantik

indian_summer_in_new_england

Herbst! Herbst! So sehr ich den Sommer in diesem Jahr mochte – und er wird wahrscheinlich bald noch mal zu Besuch kommen – so aufregend ist die kühle, feine, dunstige Luft heute. Der Duft des Herbstes ist da. Endlich. Meine Lieblings­jahreszeit. Die mich in jedem Moment an ein Interview erinnert, das ich ’97 mit der britischen Industrial-Metal-Band Godflesh geführt hab, als sie in Stuttgart auf einer Tour mit Ministry spielten. „Weisst du“, sagte mir der Gitarrist und Frontmann Justin Broadrick, „unsere Musik kommt aus genau einer Quelle, nämlich zu wissen, dass es etwas gibt, wonach du dich am meisten von allem auf der Welt sehnst, und gleich­zeitig zu wissen, dass du es niemals haben wirst“. Das ist seither meine Definition von Romantik. Eure rosa Blümchen könnt ihr behalten. Ich hab ja den Herbst. pic Werner Kunz cc by sa