Ghost Cop: The Girl With The Terminal Stare

Ghost Cop aus New York sind Lucy Swope und Sean Dack und eigentlich ein Darkwave-Electro-Duo. Im neuen Song/Video The Girl With The Terminal Stare allerdings sprengen nicht nur die aufreizende Bettfrisur und den schnoddrige Gesang Lucys das Genre, sondern auch das im Stil der Re-Animator-Filme gehaltene Video mit passender Dance-Choreografie, das jeden Darkwave-Kitsch durch B-Movie-Horror-Camp ersetzt. Lucy, das Mädchen mit dem tödlichen Blick, hat hier was von einem Role Model. Erfreulich.

Wenn das Mikrofon beim Sex stört

Hitproduzent Mark Ronson enthüllt aktuell in einer britischen Tageszeitung, dass seine beneidenswerte Karriere als Producer auch ihren Preis hat: „Ich kann während des Sex keine Musik hören. Ich denke sofort darüber nach, welches Mikrofon sie an der Snare verwendet haben.“ Statt dessen empfiehlt er Ambient-Werke wie Music For Airports von Brian Eno. Interessant. Das Snaremikroproblem hatte ich bisher so noch nicht, aber die Eno-Tracks wären einen Versuch wert.

Die Wahrheit über Kirk, Trump, Epstein

Das ist die beste Beschreibung der aktuellen Situation in den USA, die ich 2025 gefunden habe. Das… gar nicht lustige ist, dass wir in Europa dieselbe Situation haben. Und warum schützt „uns“ niemand vor dieser globalen passiven Aggression? Weil die globalen „Konservativen“ glauben, sie könnten von der „Situation“ profitieren. Tja.

Das Ende der Social Media

James O’Sullivan, Dozent an der University of Cork, Ireland, argumentiert in einer aktuellen Veröffentlichung im Noema Magazine, dass den Social Media Plattformen ein baldiges Ende bevorstünde. Und zwar wegen der Überflutung mit Werbung und KI-erzeugtem (ich sage hier noch einmal dazu, dass „KI“, „künstliche Intelligenz“ ein Euphemismus für Raubkopiersoftware ist), bedeutungslosem Inhalt. Die Social Media Plattformen werden durch das Geschäftsmodell ihrer Besitzer und Betreiber zusehends unbenutzbar. Weil sie ihre ursprüngliche Funktion verlieren, ein soziales Netz zwischen Menschen zu bilden. Deswegen, so O’Sullivan, wird sich das weltweite Web weiterentwickeln und eine Vielzahl an Microcommunities bilden. Substack- und Patreon-Follower. Blogs. Private Chaträume. Und immer dann, wenn diese vom „AI-Slop“, den unansehnlichen Kopien wirklichen Lebens, überrollt werden, sterben diese Plattformen und werden durch neue, kleinere, mit wirklichen, von Menschen gemachten Inhalten ersetzt. Tatsächlich stürzen die Nutzerzahlen aller sozialen Plattformen ab – ob das zum (wünschenswerten) Tod von Facebook, Xitter, Instagram, etc führt, bleibt abzuwarten. Aber es gibt Hoffnung. pic via rawpixel

Yo Speed: Muita

Ja. Bin überzeugt. Was Yo Speed (Ruben aus Brighton, UK) da auffährt, hat definitiv 5 von 5 möglichen Amen Breaks verdient. Gerade weil er das Sample nicht verwendet, sondern seinen Drum and Bass Track mit Baile Funk Vocals Snippets in Richtung enormer Drops schiebt, die aber nicht in finsterem Brostep-Abyss zerschellen, sondern kunstvoll aufgebaute Dance-Sequenzen zur Folge haben. Das is ja mal skill, meine Damen und Herren. Yo.

Taybeh: Bier aus Palästina

Taybeh ist sowohl ein Dorf bei Ramallah im israelisch besetzten Palästina als auch eine dort beheimatete Brauerei desselben Namens. Die von einer Frau geleitet wird, Madees Khoury (pic oben). Was erstmal sämtliche Vorurteile über Bord kippt. In Arabien ohne Kopftuch Bier brauen? Geht das überhaupt? Anscheinend, und das Bier, sowohl mit als auch ohne Alkohol, wird exportiert, auch wenn das unter Besetzung nicht einfach ist. Hierzuland gibts noch keinen Importeur, man müsste in die Schweiz oder nach Luxemburg, um welches zu kriegen. Dann mal Prost, und hier der Disclaimer: Ich wünschte, der Konflikt könnte beigelegt werden und alle Menschen in der Region in Frieden leben. Ja, das scheint unmöglich, gerade weil soviel Blut geflossen ist. Vielleicht kann das Bier etwas zum Frieden beitragen. Wer weiss? pic

NIN: As Alive as You Need Me to Be

Nine Inch Nails sind schon so lange dabei, dass sie als unverzichtbares Kulturgut der westlichen Industriegesellschaft gelten können. Ich warte noch auf die Ankündigung einer Tournee durch alle Staatstheater des alten Kontinents. In etwa wie die Einstürzenden Neubauten, nur ausgedehnter. As Alive as You Need Me to Be gehört in den Soundtrack des neuen TRON: Ares Films und ist für mich zugänglicher als das bisherige Werkschaffen (so heisst das wohl) der Band. Der Film bringt da Impulse in Richtung Industrial Disco und verdrängt dieses NIN-typische Pathos. Nichts gegen Pathos, aber ich fand, NIN-Frontmann Trent Reznor hat es gerne übertrieben damit, bis an den Rand der Selbstverliebtheit oder darüber hinaus. Nicht so im vorliegenden Fall.

Black Hall: Hypocrite

Wahrscheinlich war das mal als Dark Wave oder Cold Wave Nummer gedacht. Aber in Los Angeles gehen die Synthies eben anders, und Black Hall haben hier einen Track abgeliefert, der genausogut der Titelsong eines neues Retro-Pixel-Games sein könnte. Mit jeder Menge Arpeggi und Glissandi und einer fröhlich hüpfenden Neo-Analogsound-Melodie. Kann man so stehen lassen, völlig in Ordnung.

Steuern für Reiche?

Ja, wirklich? Sollen Reiche mehr Steuern bezahlen? In Deutschland denken das 81 %, in Nachbarländern weniger oder mehr, aber überall mehr als die Hälfte, ausser in Estland (?!). Erstens: Wer ist reich? Wer mehrere hundert Millionen hat. Oder ein paar Milliarden. Egal, wo jemand wohnt (damit fällt das Argument der Steuerflucht weg) und wie das Vermögen organisiert ist (etwa in einer Stiftung versteckt, sehr bbeliebt heute) – schliesslich besteht das Vermögen aus Grundstücken, Gebäuden, Fabriken, Geschäften, und das ist alles im Inland. Zweitens: Ja, durch die vielen Steuertricks bezahlen Reiche (s.o.) einen geringeren Teil ihres Einkommens an Steuern als normale Leute. Drittens: Bis 1997 gab es auch in Deutschland eine Vermögenssteuer zwischen 0,5 und 1,0 % – allerdings bemängelte das Bundesverfassungsgericht, dass Immobilien nicht mit besteuert würden, so dass die damalige CDU-Bundesregierung die Steuer ganz einstellte. Vorübergehend. Bis heute. Warum, viertens, gibt es heute keine Vermögenssteuer in Deutschland? Weil Parteien wie die CDU (und CSU, FDP, Afd) von normalen Leuten gewählt werden, die damit irgendwelche Wohlstandsvorstellungen verbinden, während eben diese Parteien eine Steuergerechtigkeit verhindern. Ebenso wie die von Bismarck eingeführte Beitragsbemessungsgrenze. Aber das ist eine andere Geschichte.