Hauptsache, andere bekommen nichts

Die Geschichte ist zunächst mal lustig, dann könnte man sauer werden, dann ist sie aber doch wichtig. Also. US-Studentin Hannah erzählt von einer Psychologie-Vorlesung direkt vor einem grossen Test. Der Professor sagt: Wisst ihr was, ihr seht so gestresst aus, ich gebe euch allen 95%. Aber ihr müsst alle in einer Abstimmung dafür sein. Ergebnis: Von 250 sind 20 dagegen. Also wird das nichts.

Der Professor: „Wir machen eine neue Abstimmung. Ich habe dagegen gestimmt, weil…“ A , B, C, D „ich will nicht, dass andere eine so gute Note bekommen, obwohl sie weniger gelernt haben als ich“. Für D haben dieselben 20 Leute gestimmt. Der Professor: „Das ist die wichtigste Psychologie-Lektion in diesem Semester, ich mach diesen Test seit 10 Jahren, und noch nie war das ganze Seminar mit guten Noten für alle einverstanden“. Beim Test haben übrigens nur 10 die 95% erreicht, die anderen 10 nicht. Seht ihr, sagt Hannah, Neid/Missgunst schadet euch im Leben immer mehr als er euch nützt.

So. Jetzt denken wir an viele weitere Beispiele in dieser Richtung und fangen an, uns zu ärgern. Aber, halt. Wenn wir genauer hinsehen, merken wir, es sind nicht alle Personen in Entscheiderpositionen so nett wie der Professor oben im Beispiel. Wenn wir genauer hinsehen, fallen uns die täglichen Aufforderungen zu Neid und Missgunst auf, die Arbeitslosen, die Bürgergeldempfänger, die Ausländer (immer alle m/w/d), die sollen es schlechter haben als wir selbst. Jedenfalls, wenn es nach bestimmten Schlüsselpersonen in Politik und Medien geht, die sehr darauf achten, dass es nur wenigen sehr gut geht (weil sie davon mit profitieren).

Wenn wir schlau wären, würden wir uns dieser Ideologie entgegenstellen und ein bedingungsloses Grundeinkommen einführen, und einen höheren Mindestlohn, und ein Verbot, Frauen oder Menschen mit Migrationsgeschichte schlechter zu bezahlen, und ein Recht auf Wohnung, und angemessene Mitsprache für alle in allen öffentlichen Angelegenheiten. Aber nein, weil (im Beispiel oben) 8% nicht wollen, dass andere auch etwas bekommen, nicht nur sie selber, und erstaunlich viele andere dieser Ideologie von Neid und Missgunst zu ihrem eigenen Schaden hinterhertrotten, deswegen wird das nichts.

Deswegen fang ich schon mal an: Ich fordere ein Mindesteinkommen von 1500 € für alle in der Bevölkerung, einen Mindestnettolohn von 2500, Kapitalertragssteuer in der selben Höhe wie Einkommenssteuer, progressive Erbschaftssteuer in ähnlicher Höhe, Unternehmenssteuern von 25% unabhängig vom Geschäftssitz der Holding (alle unsere Automobilkonzerne haben ihre Holding in Luxemburg, maximal 5% Steuern) oder der Geschäftsform (Aldi, Lidl, Ikea und viele andere sind Stiftungen und steuerbegünstigt), ich fordere gleiche Rechte, gleiche Bildung, gleiche Mitsprache für alle. Ihr könnt euch da ja anschliessen. Oder irgendwelche vorgeschobenen Gründe anbringen, warum das alles nicht funktionieren würde, weil ihr am Ende garnicht wollt, dass andere irgendetwas bekommen. Das müsst ihr wissen.

Haribo Happy Cola Lola Cannabinola

In den Nederlanden (warum gerade dort?) haben sich aktuell mehrere Leute über „Benommenheit“ beschwert, nachdem sie Haribo Happy Cola gegessen hatten. Tatsächlich fand sich in den Zuckerdrops THC, was zwar unschädlich ist, in für Kinder zugängliche Süssigkeiten aber nicht reingehört. Die Polizei ermittelt, niemand weiss bisher was. Frage: Kann man den Blödsinn bitte sein lassen? Tetrahydrocannabinol nicht in Drops. Ok?

Der Islam ist die Patentante der Renaissance

Jaja, Copernicus. Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, ist das bahnbrechende Werk (De revolutionibus orbium coelestium) über ein heliozentrisches Sonnensystem im Wesentlichen vom arabischen Astronomen Ibn al-Shatir (Damaskus) abgeschrieben und wurde schon rund 200 Jahre vorher veröffentlicht (Nihāyat al-Sul fī Taṣḥīḥ al-Uṣūl). Die geometrischen und mathematischen Ähnlichkeiten der beiden Bücher sind, ähm, verblüffend (*hust). Vielen Dank für’s Übersetzen, Nicolaus. Mit Islam meine ich übrigens nicht die nur durch shady deals mit den europäischen Imperialisten an die Macht geratene Wahabitische Sekte, sondern den welt- und wissenschaftsoffenen, sufisch orientierten Mainstream-Islam. Dem wir wissenschaftliche Literatur aus Indien, Griechenland und deren arabische und persische Weiterführung verdanken, weil im christlichen Europa zwischen dem fünften und fünfzehnten Jahrhundert unserer Zeitrechnung so etwas als Schriften des Teufels verbrannt wurde, und überhaupt, wie brauchen keine Bücher, wir haben ja die Bibel. Seufz. Um so tragischer, dass die daraus folgende Blüte von Wissenschaft und Kultur im alten Europa dafür verwendet wurde, Arabien, genauso wie alle anderen Erdteile, zu erobern, auszuplündern und mit autokratischen Herrschern auszustatten, die gerne Rohstoffe für Waffen tauschen, um sich damit zum Vorteil der Imperialisten (ja, auch der heutigen) gegenseitig zu bekriegen. Deswegen an dieser Stelle nochmal Danke und Entschuldigung-Bitte an Ibn al-Shatir und seine Kollegen, ohne die Europa wahrscheinlich schon längst in Abwesenheit von Wissenschaft, Technik und Medizin von Pestilenz und Glaubenskriegen ausgetilgt worden wäre.

Elon Musk, Lügenbeutel

Elon Musk, Sohn eines südafrikanischen Apartheit-Multimillionärs und erfolgreichster Schwindler unserer Tage, hat eine lange, lange, Liste von leeren Versprechungen (a.k.a. Lügen) produziert, die dankenswerterweise vom Wired Magazine in diesem Artikel aufgelistet werden: Abgesehen davon, dass seine SpaceX-Raketen eine nach der anderen explodieren, seine Tunnelbaufirma Boring pleite ging, seine Hyperloop-Überschall-Ubahn nirgendwohin fährt, seine Neuralink-Gehirnelektronik nichts bewirkt, verspricht er seit 2006 erstens ein günstiges Tesla-Familienauto, und zweitens vollautomatische Autos, die als Taxi oder Lieferdienst unsere Zivilisation revolutionieren sollen. Nichts davon funktioniert, und die 2003 von zwei Ingenieuren gegründete und von ihm 2004 übernommene Autofirma produziert mittlerweile unverkäufliche Fahrzeuge, weil nach den Nazi-Eskapaden Musks kaum noch jemand ein „Swasticar“ haben will. Die Milliarden werden ihm trotzdem nicht so schnell ausgehen, weil er sich durch astronomische Wahlkampfspenden in die US-Regierung mogeln konnte, was ihm massive Regierungsaufträge einbrachte. Aber dafür wurde der Deep State ja erfunden. pic kqedquest cc by bc

Hashtag: #notallcops

So. Da hat also die Co-Bundessprecherin der Jungen Grünen, Jette Nietzard, einen Pulli angehabt mit den Buchstaben A.C.A.B. drauf. Und schon steht die deutsche Empörungsküche in Flammen. Das kann man doch nicht sagen, das ist eine Beleidigung, die muss sich entschuldigen… alles Quatsch. Im Gegenteil. Die eingeschnappte Öffentlichkeit ist in dieselbe Falle getreten wie damals, bei, wisst ihr noch: #notallmen. Nicht alle Männer. Das sind doch nur einzelne, die dann Gewalt gegen Frauen, und so. Ja, schon, einzelne. Aber in beiden Fällen, Cops und Männer, ist das Argument lächerlich: Wenn nämlich wirklich die aller-allermeisten Cops hart auf der Seite der Verfassung, der Menschenwürde, der Gleichheit und Gerechtigkeit wären… dann würden sie sich doch drum kümmern, dass die wenigen schwarzen Schafböcke rausfliegen. Oder? Oder??? Das Gegenteil ist der Fall. Die decken sich gegenseitig. Und machen sich damit mitschuldig. Jetzt auch bei Jettes Pullover. Der übrigens durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 17. Mai 2016 (Az.: 1 BvR 2150/14) geschützt ist. Keine Beleidigung, weil pauschale Aussage. Findet unser höchstes Gericht. Ok. Dann haltet die Klappe. Und danke, Jette. Tolle Aktion.

das pic ist von der inzwischen verbotenen belorussischen Nachrichtenwebsite tut.by

Falls wir mal in Berlin ne Aftershow haben: Dangermami

Meine Band Tarmac Tigers entwickelt die Angewohnheit, Konzerte nach dem Set durch eine DJ Aftershow zu verlängern. Können die Leute länger tanzen. Danke an dieser Stelle an DJ Bloody, der neulich bei dieser Gelegenheit die lokale Haibar zum Schwitzen gebracht hat. Wenn wir nächstes Jahr in Berlin spielen und Bloody keine Zeit hat, kein Problem. Bin durch Zufall auf Lilia van Beukering a.k.a. Dangermami gestossen. Hätte ich dann gern nach den Tigers (träum weiter, Fritz). Bis dahin: Shoutout. Das Keep Hush Set gleich mal mit Lady Leshurr zu beginnen, zeugt von echter musikalischer Grösse. Finde ich.

Hatte Luigi Mangione doch recht?

Wir erinnern uns: Luigi Mangione wird angeklagt, einen Topmanager des US-Versicherungs-konzerns United Health erschossen zu haben. Er bestreitet das. Inzwischen wissen wir, dass der Konzern Druck auf Pflegepersonal ausübt, damit kranke, vor allem alte Menschen nicht in Krankenhäuser zur Weiterbehandlung oder Wiederbelebung gebracht würden. Wo sie ja nur Kosten für den Konzern verursacht hätten. Zu diesem Zweck wird dort auch „Künstliche Intelligenz“ eingesetzt, die Anträge auch Behandlungen ablehnt und damit die Gesundheit der versicherten weiter verringert. Izwischen wissen wir auch, dass der US-Finanzkonzern Blackrock, langjähriger früherer Arbeitgeber des aktuellen deutschen Bundeskanzlers, als Besitzer von 10% der Aktien United Health verklagt, weil nach dem Anschlag auf den CEO angeblich zuviel Geld für Behandlungen von Patienten ausgegeben wurde. Was die Profite und damit die Dividenden schmälert. Ich weiss nicht… egal, ob Luigi Magione den Konzernchef erschossen hat oder nicht (nein, man soll keine Leute erschiessen), als Symbolfigur für den Kampf gegen den menschenverachtenden Spätkapitalismus ist er uns auf jeden Fall willkommen.

Jehnny Beth: Broken Rib

Wie erfreulich, dass dieses Post-Punk-Post-Noise Ding, an dem meine Band auch arbeitet, solche überzeugenden Beiträge aus Frankreich erhält. Jehnny Beth (Poitiers, Frankreich) war mal Frontfrau der britischen Postpunks Savages und ist mittlerweile mit eigener Band unterwegs (siehe Video unten, Sonderpunkte für das Tshirt Sexual Intellectual sowie den Korg MS20). Broken Rib ist die Single aus dem kommenden Album You Heartbreaker You. Eine Ich-Lass-Mich-Nicht-Unterkriegen Story. Mehr davon, bitte.

Wie ein Erdbeben aussieht

Am 28. März diesen Jahres gab es in Myanmar ein 7.8 Erdbeben, und zufällig wurde es in diesem Video festgehalten. Lasst euch nicht vom Rolltor verwirren, bei 0:14 allerdings verschiebt sich die Landschaft hinter dem Zaun erschreckend schnell um ein paar Meter nach rechts. Noch näher am Epizentrum war die Verschiebung bis zu 6 Meter weit. via mefi

Derision Cult: Joker’s Wild Kings Are Dead

Irgendwie ist doch alles Eklektizimus grade. Stilmix. Obwohl, nein, die Hälfte der Bands in meiner geliebten Heimatstadt klingen im Moment wie neue Neue Deutsche Welle, zwischen Fehlfarben und Andreas Dorau (&die Marinas). Nicht ganz so nostalgisch, weil mit dickem Neunzigeranteil: Derision Cult. Aber die sind auch aus Chicago. Da klingt Retro eher nach Industrial Rock. Ministry. Metalriffs, Drumcomputer, Megaphonvocals. Alles sehr unterhaltsam. Und dass Artificial Intelligence blöd ist, wie der Song erzählt, darauf können wir uns einigen.

Model/Actriz: Cinderella

Definitiv der Postpunk-track der Woche, bzw das kommt davon wenn man nachts in fremden Musikblogs herumblättert. Model/Actriz (Boston/New York) fesseln durch ihre kompositorische Kühnheit, und dann durch ihr unverfrorenes Herumwürfeln mit Genderklischees. Cinderella ist aus ihrem aktuellen, zweiten Album Pirouette, mit dem sie im Sommer touren, ein paar Termine auch hierzulande. Vielleicht sollte ich tatsächlich in die nächstgelegene Metropole rollen und mir die Geburtstagsparty ansehen.

Wie man den Faschismus los wird

Der heute 98jährige Ken Turner kämpfte im zweiten Weltkrieg in der britischen Armee gegen den Faschismus. Hier zeigt er uns, dass wir diese Barbarei wieder besiegen können. Ja, mit einem Sherman Tank über ein Tesla Auto rollen ist lustig, demonstriert dabei aber auch die richtige Haltung. Genau so machen wir das. Wir machen kaputt, was uns kaputt macht. Ken hatte übrigens Hilfe von den britischen Guerilla-Artisten Led By Donkeys. Salut! via kottke