11.200 m/s ist die Geschwindigkeit, die man braucht, um die Erde zu verlassen. Eine gute Metapher für "über den Tellerrand". Oder für "eine von den über 8 Millarden subjektiven Sichtweisen".
Ja, ich gebs zu: Am liebsten würde ich nur noch mit meiner Band im Proberaum aushängen, Bassriffs zwischen Godflesh, The ’68 und Daft Punk spielen, die Band aufnehmen und mixen, Sharepics zusammenklicken, ab und zu auf Clubbühnen klettern (nächstesmal am Freitag 4.10. in der Soho Stage, beim Ballroom Blitz) und ansonsten auf den Kapitalismus kacken. Letzteres klappt noch nicht so ganz. Wir arbeiten noch dran. Wobei ich nicht sicher bin, ob wir mit diesem Sound zwischen Post-Punk, Post-Noise und Post-Grime richtig reich werden. Oder auch nur ansonsten auf den Kapitalismus kacken. Aber ok. Es ist ein Plan. Und solange der Plan rollt, sind alle Beteiligten glücklich. Und das ist schliesslich das wichtigste. Hier sind Ton und Bild der Tarmac Tigers. Enjoy.
Ratcliffe-on-Soar, das letzte noch betriebene Kohlekraftwerk Britanniens, geht heute vom Netz. Das wars. Keine Smogschleudern mehr, keine CO2-Bomben. Das Ding ist einfach unwirtschaftlich geworden, weil Windkraft (+Batterien) für die Energiekonzerne einfach um so viel billiger ist. Das regelt also der Markt. In Deutschland dauert das wohl noch länger, weil sich hier die Stromerzeuger auf einem Gesetz aus der CDUCSU-Ära ausruhen können: Hier nämlich wird der Strom nicht nach Herstellungskosten bezahlt, sondern pauschal nach dem teuersten Kraftwerkstyp, Erdgas. Deswegen lohnt es sich für die Konzerne, Kohleverbrennung einfach weiter laufen zu lassen. Und für einen winzigen Teil der krassen Profite kaufen die sich Rechtsaussenpropaganda, damit die verwirrten Bundesbürger:innen CDU und Afd wählen und damit die Profite weiter sprudeln (in Richtung Steueroasen natürlich), zum Schaden von uns allen. pic barnstormed cc by nc nd
Am 5. November wird in den USA eine neue Präsidentin gewählt. Weil das Wahlsystem dort so kompliziert ist, und so anfällig für Störungen, haben die australischen Politik- und Medienexperten von the juice media ein Erklärvideo vorbereitet, das alle Fragen zum aktuellen Wahlkampf und der Wahl beantwortet.
Spannende Entwicklung: Nachdem die Putin-Propaganda in drei der fünf neuen Bundesländern bei den aktuellen Landtagswahlen so fantastisch funktioniert hat, so dass jetzt die Neonazis dort enormen politischen Einfluss haben, und Grüne und Linke durch den allgemeinen Trotz an der Wahlurne zur Seite gedrängt wurden, ist die Bundesspitze der Grünen zurückgetreten. Nicht genug damit: Jetzt ist auch noch der gesamte Vorstand der Grünen Jugend (Bild oben) aus der Partei ausgetreten. Nicht nur aus dem Jugendverband. Warum? Sie selbst sagen: Die Grünen sind nicht dazu bereit, sich mit den Reichen und Mächtigen anzulegen. Und: Die Grünen werden immer mehr zu einer Partei wie alle anderen. Sowie: Wir wollen grundsätzlich anders Politik machen! Ich bin ausserordentlich froh über diese Entwicklung. Ich selbst hab die Grünen mal gewählt. Bis 2005. Bis Hartz4 und Kosovo. Bis die ehemals aufrührerische, progressive, neue Partei im Berliner Kompromiss-Sumpf steckenblieb. Jetzt sind die Grünen auf dem Weg, die neue CDU zu werden. Problem: Sie stehen gegen die Interessen der Scheichs, der Ölbarone, der Fossildiktatoren (wie Putin), die beträchtliche Anstrengungen unternehmen, um diese lästige Bedrohung ihres Geschäftsmodells loszuwerden. Diese Anstrengungen umfassen auch den Einkauf geeigneter Politiker wie Friedrich „Blackrock“ Merz, btw. Und weil die Grünen zwar von allen Vergangenheitsfans und Verdrängungsbürgern ge-hatet werden, trotzdem aber weiter alle Kompromisse eingehen, steigt die Spitze der Grünen Jugend und ein Teil der Jugendorganisation aus. Weil sie linke Politik machen wollen. Yeah! Das ist die gute Nachricht der Woche.
Die führende österreichische Tageszeitung Der Standard hat einen Wahlomaten für die Nationalratswahl am 29. September. Das österreichische Wort für Wahlomat ist übrigens Wahlkompass. Oben ist mein Ergebnis. Was ist eures?
Herbsttagundnachtgleiche. Einer der beiden Tage im Jahr, an welchen Tag und Nacht gleich lang sind. Ein Grund zum Feiern, nicht wahr? Die Welt ist unerfreulich genug, und es wird in nächster Zeit nicht besser. Andererseits: Heute ist damit auch Herbstanfang, und Herbst ist meine Lieblingsjahreszeit. Meinetwegen könnte es immer Herbst sein: Frische Luft, bunte Blätter, lange Abende, ausgeglichene Temperaturen. Nur Vorteile. Happy equinox. Cheers! pic von mir, cc by sa
Was für Auswüchse wird uns der Spätkapitalismus noch zumuten? Bong Joon-ho (Parasite, Snowpiercer, The Host) zeigt es uns in seinem neuen Film: Mickey hat das aussichtslose Leben auf der Erde satt und will weg. Dazu unterschreibt er einen Vertrag und wird Verbrauchsmaterial: Er wird geklont, und jedesmal, wenn er auf einer seiner Selbstmordmissionen stirbt, stellt der Konzern eine neue Kopie von ihm her und schickt ihn wieder in den Tod. Leben und Tod als Ware. Das kommt hier komödiantisch, ist aber eine schöne Formulierung für die grenzenlose Unmenschlichkeit des Kapitalismus. Ab Ende Januar 25 im Kino. Und im, ähm, Internet.
Dr. Patrick Mineault, Neurologe, hat zusammen mit seiner Frau, Dr. Marissé Masis-Solano, Augenärztin, die App ismy.blue geschaffen, um nachzuweisen, dass die Grün-Blau-Wahrnehmung bei allen Menschen unterschiedlich ist. Die beiden hatten nämlich eine Diskussion darüber, ob eine bestimmte Decke in ihrem Haushalt grün oder blau wäre. Das Pic (Screenshot) zeigt mein Ergebnis – anscheinend sehe ich die Welt sehr viel blauer als die meisten anderen Leute (oder mein 10 Jahre alter LG 27zöller ist verstellt). Und ihr so?
Die Single ist schon seit nem Jahr auf SubPop raus. Aber wie soll man die ganzen coolen Indiebands kennen, ausser durch Zufälle? Insider bezeichnen Thrash Palace als Supergroup, weil alle drei (Erika M. Anderson, Vice Cooler, Sarah Register) schon in anderen coolen Indiebands/projekten dabei waren. Ich finde, sie machen einfach nur schöne Ihr-Könnt-Uns-Alle-Mal Musik.
Gippsland ist eine ländliche, grüne Gegend ganz im Südwesten von Australien. Und nachdem Die gigantischen Regenwürmer des Sumaco Vulkans einer meiner beliebstesten Blogartikel der letzten Jahre ist, muss ich natürlich über dieses Naturwunder berichten: Über einen Meter lange, mehr als daumendicke australische Regenwürmer. Und nachdem die Erde in Gippsland überwiegend lehmig und schwer ist, kann man auf einer Wiese am Bach fest auf den Boden stampfen und hört dann ein gurgelndes Geräusch. Ein bischen so, wie wenn die Badewanne leerläuft. Das ist dann das Geräusch, das die Riesenregenwürmer machen, wenn sie durch ihre Röhren im Boden vor dem Stampfen fliehen. Das berichten die Bewohner der Gegend, australische Wissenschaftler:innen und ABC News. Die Riesenregenwürmer werden jetzt übrigens unter Naturschutz gestellt. Gute Idee. Wenn man sowas schon mal hat.
Lange nicht mehr so coolen HipHop gehört. Nicht ohne Gangsta, aber bei aller Erzählung von Drogenhandel und Strassengewalt doch mit einer klaren Empfehlung an die young people, nicht auf die Sache mit dem schnellen, dreckigen Geld reinzufallen. Easy targets, das sind junge Leute ohne Erfahrung, sagt Rome Streetz, während Daringer einen umwerfend relaxten OldSchool-Track drunterlegt. Respect.
Der Auto-Konzern mit dunkler Vergangenheit war lange ein Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder, für die einzigartige deutsche soziale Marktwirtschaft, für Kapitalismus mit sozialistischer Absicherung für die Arbeiterschaft. Das alles hat der Konzern dem neoliberalen Traum geopfert, Profite an Investoren durchgereicht statt zu investieren, den veränderten Markt ignoriert, die Gemeinschaft zwischen Chefetage und Belegschaft aufgekündigt. Jetzt können wir zusehen, wie Autos vom Statussymbol zur chinesischen Massenware werden, zum mobilen Flatscreen-TV, zum Konsumgegenstand. Und gleichzeitig den bürgerlichen, in Privatbesitz verankerten Medien dabei zuhören, wie sie den Untergang des Abendlandes, oder noch schlimmer den Untergang Deutschlands besingen, und dass wir deswegen unbedingt neoliberale, turbokapitalistische Konzernvertreter wie Friedrich Merz von der Blackrock-Partei wählen müssen. Damit VW nicht ein Einzelfall bleibt, sondern die gesamte deutsche Wirtschaft in den Taschen einiger weniger Multimilliardäre verschwindet. Wollen wir das?
Elektrizität kostenlos? Ab 2030? Das sagt zumindestJenny Chase, bei BloombergNEF für Solarenergie zuständige Analystin. Warum? Weil die installierte Leistung von Solarkraftwerken seit Jahren exponentiell zunimmt, während der Herstellungspreis weiter fällt. Heute sind weltweit etwa 1600 Gigawatt an Photovoltaik installiert(das entspricht 1600 Atom- oder Kohlekraftwerken), nächstes Jahr wird es doppelt soviel sein. In sechs Jahren wird weltweit soviel PV aufgestellt sein, dass elektrischer Strom immer im Überfluss verfügbar ist. Nachts wird weniger Strom verbraucht, da laufen dann stationäre Batterien, zuhause an der Wand oder in Fabrikhallengrösse. Man stellt heute solche Grossbatterieanlagen gerne auf den Platz abgerissener, veralteter Verbrennungskraftwerke, weil dort die Transformatoren und Überlandleitungen schon vorhanden sind. Was bedeutet das? Werden Energiekonzerne alle Pleite gehen? Wird das Heizen mit Wärmepumpen und das Herumfahren mit E-Cargo-Bikes praktisch kostenlos? Das werden wir ja sehen. Und zwar schon bald. Inzwischen werden die bisherigen Energiekönige, Ölscheichs, Fossilbarone (einschliesslich Putin) Millionen in die Unterstützung von rechtsextremen und rechtskonservativen Gruppen, Parteien, Politikern stecken, um das möglichst lange hinauszuzögern. Da müssen wir dann durch. pic
In jeder epischen Erzählung muss es eine Hauptfigur geben, ein Leviathan ist optional, es geht ja um grundsätzliche Fragen des Lebens. So auch hier. Dieser alte Mann bin jetzt ich, und das Schallmeer wogt in meinem BüroSpielzimmer Raum, in dem ich die 8-Spuraufnahmen (Tascam DSP-24SD) meiner Band abmische (mit Reaper). Nur: Die Altbauwohnung im Herzen meiner geliebten Heimatstadt hat zwar einen trapezoiden Grundriss, deswegen sind stehende Wellen kein Problem (praktisch keine parallelen Wände), aber die im Jahr 1903 energisch aus Vollziegeln gemauerten, reflektionsfreudigen Wände machen den Klang etwas hart. So dass die Mixes woanders zu weich klingen. Und das will man ja auch nicht. Nicht wenn man im Post-Noise, Post-Punk, Post-Grime Sektor operiert.
Also könte ich mir Eierkartons (Ha ha ha ha. Nein.) oder diese hässlichen dunkelgrauen Schaumstoffpyramidenmatten an die Wand kleben. Hatte ich schon erwähnt, dass ich die unerträglich hässlich finde? Ich brauche also etwas, dass wirklich bis 3 oder 4 KHz runter die Höhen dämpft, vorzugsweise an der Wand, die von den Monitoren am meisten beschallt wird, das nicht hässlich ist, nicht giftig und nicht esoterisch teuer. Wie wärs mit Polyesterwatte? Und davor ein eher unauffälliger Baumwollstoff, auf einem einfachen Holzrahmen? Da würden zum Beispiel Dachlatten, 3x5cm, genügen. Aus dem Baumarkt neben der Uni. Da fahr ich mal hin, mit dem Townie. Nur waren die Servicewüstensöhne im Flauhaus geistig-moralisch nicht in der Lage, die abzuschneiden. Und auch das erfuhr ich erst, als ich sie nach einigem Suchen entdeckte, in einer Gruppe um den Bossman geschart. Schwer beschäftigt, alle. Keine Zeit für Kunden. Ok, Zeit für einen meiner magischen Tricks: Ich spreche die einzige Mitarbeiterin an, eine müde aussehende junge Dame im Baumarkt-Outfit. Ob sie wisse, wie das mit dem Zuschnitt wäre. Wenige Sekundenbruchteile später rumpelt der Bossman ins Bild und erklärt weitschweifig wieso und weshalb nicht. Klar, wäre ja noch schöner, wenn in seiner Gegenwart eine Frau fachliche Auskunft geben würde. In seiner Gegenwart. Niemals.
Also pack ich die Dachlatten (3 Meter) auf den Townie und roll nach Hause. Den Baumwollstoff gibts beim Reste Maier, ein paar Gassen weiter ins Lechviertel, und das Polyestervlies auch. Im Bierzimmer (Rumpelkammer gegenüber der Küche) liegt noch meine schwindlige, kleine Elektrostichsäge, zum Dachlatten teilen. Und der anämische Dekotacker, der knapp die Hälfte der Klammern ins Ziel bringt. Und vier hübsche, kleine Spanplattendreiecke, die noch von den Bühnenmonitoren übrig sind, die ich vor 10 Jahren für die kleinen Konzerte in der Haifischbar gebaut hab. Die sind genau richtig, um drangeschraubt die Ecken zu verstärken. Schallschluckwand fast fertig. So ein Altbau hat den Vorteil, dass man Schraubhaken mit der Hand in die Decke drehen kann, irgendwann kommen Holzbretter und die Schraube greift. So sieht das dann aus, ca 185 x 135 cm:
Und so von der Seite, links das Polyestervlies, rechts die Zimmerwand mit Rauhfasertapete:
Und das ist mein semiprofessioneller Mischplatz mit den alten 4312A Main Monitors, die ich 1988 für mein damaliges 16-Spurtonstudio Phase 4 gekauft hatte, den JBL Control Ones, die ich super angenehm finde und der Reaper DAW auf meinem nicht mehr völlig top-aktuellen Gaming-PC.
So. Genug erzählt. Mich zieht es wieder hinaus aufs Schallmeer. Der Raum klingt jetzt übrigens präziser, aber nicht überdämpft. Sollen ruhig kommen, die Wellen.
Der schwedische Hersteller Enerpoly hat die weltweit erste Fabrik für Zink-Ionen-Akkus in Betrieb genommen. Diese Batterien verwenden Zink statt Lithium und sind deshalb sowohl billiger als auch nachhaltiger: Zink ist einfacher abzubauen. Ausserdem verwenden diese Akkus einen Elektrolyten auf Wasserbasis, können also nicht brennen. Zink-Ionen-Akkus laufen länger als solche mit Lithium, und in einem grösseren Temparaturbereich. Nachteil: Li-Ion-Akkus haben pro Gewicht etwa zweieinhalb mal soviel Ladung. Die neuen Enerpoly -Akkus sind deswegen für ortsfeste Installation gedacht, etwa um Netzspannungsschwankungen oder Leistungsspitzen auszugleichen. Das hilft uns bei der aktuellen Energiewende.
Die Jahresendfehlernährungsauslage gab es schon letzte Woche. Nur hatte ich da kein Telefon dabei. Und ja, im Discounter eures Vertrauens sieht es sicher ähnlich aus. Kein Grund, sich nicht darüber lustig zu machen. Jingle bells, jingle bells, 30 Grad, Klimakatastrophenschokolade. pics von mir cc by sa