Es hat angefangen: Wie KI Menschen tötet

Es hat begonnen. Die sogenannte Künstliche Intelligenz (die gar nicht intelligent ist) bringt Leute um. Allerdings nicht spektakulär mit Maschinengewehren, sondern mit lebensgefährlichen Fehlinformationen. Noch genauer gesagt: Nicht die Sprachkopierprogramme (Large Language Models) tun das, sondern Leute, die sich von ChatGPT und ähnlicher Software Koch- und Pilzbücher schreiben lassen, und dann die Texte nicht auf Fehler kontrollieren, sondern über Amazon vertreiben (wo sie ebenfalls nicht geprüft werden). So dass giftige Pilze im Kochtopf landen. Auch die Autorenprofile sind künstlich, einschliesslich erfundener wissenschaftlicher Biografie und generiertem Portrait. In anderen Büchern empfiehlt die KI giftige Zutaten für Kochrezepte. Allerdings steckt da kein finsterer Plan dahinter sondern nur fehlerhafte Computerprogramme und gewissenlose Geschäftemacher, also die Auswirkungen des Spätkapitalismus. Aber, Hand aufs Herz: Wenn ich in der Überschrift schreibe „Wie der Kapitalismus Menschen tötet“, dann lest ihr den Beitrag erst garnicht. Weil wir alle vom Kapitalismus, dieser Perversion der Idee einer freien Wirtschaft, schon längst die Nase gestrichen voll haben. Eigentlich höchste Zeit, dass wir diese Perversion loswerden. Nicht nur die von unzuverlässigen Computern erfundenen Pilzbücher. pic Tony Wills cc by sa

In der Haifischbar nachts um halb eins

Vierstimmiger Gesang, begleitet von 4 Saiteninstrumenten, sicherlich geeignet um junge Männer in den mittleren Westen zu locken, wo sie dann an der Bar einschlägiger Saloons (siehe unten) betrunken gemacht und zu einem Leben als Rinderhirten irgendwo in Idaho schanghait werden. So stell ich mir das jedenfalls vor, was Dr. Bontempis Snake Oil Company da anlässlich der Friday Night neulich zelebriert haben. In der eindeutig besten Haifischbar meiner Stadt. „Yeehah!“, möchte man ausrufen.

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Das originale Cyberpunk-MMO ist immer noch online

Das orginale Cyberpunk-MMO kam im Herbst 2002 raus: Neocron. Inzwischen in der Versionsnummer 2.5, weiterentwickelt und betreut von einem Team aus freiwilligen harten Fans, vereinigt das postapokalyptische Game eine waschechte Retrografik (kein Wunder, die Engine stammt buchstäblich aus dem letzten Jahrtausend) mit einem vollständigen Cyberpunk-Rollenspiel-Setup (Charakterentwicklung, Erfahrungspunkte, Cyber-Implantate), Crafting für Waffen und Ausrüstung und einer First-Person-Shooter-Steuerung für PvE und PvP, zahllose Dungeons, Fahrzeuge für das weite Wasteland, eine zentrale Megacity mit Ubahn und Flugtaxis, ein eigenes Hacknet zum durchrennen und hacken – also vielfältige Karrieremöglichkeiten. Die eher kleine aktive Community ist hilfreich, Kriege um die Outposts weit draussen finden nur statt, wenn genügend Gamer online sind. Das Game ist nach wie vor kostenlos, wer SciFi, Cyberpunk, postapokalyptische RPGs mag, sollte da mal reinschnuppern.

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11k2: 15 Jahre Internettagebuch mit Katzenbildern

Yay! 23. August. Geburtstag dieses Blogs. Und immer noch sowas wie ein Internettagebuch. Die Katzenbilder sind allerdings seltener geworden. In kurzen Zahlen: 8775 Beiträge, 34060 Kommentare (die les ich immer wieder gerne), 407 WordPress-Abonnenten, 29 Email-Abonnenten, Xitter und Facebook hab ich wieder abgeklemmt weil doof, und das alles in nur 613 MB. Aber letztere Zahl stimmt nicht, WordPress/Automattic stellt da ab und zu den Zähler auf Null. Anders der Unterhaltungsfaktor, der ist nach wie vor hoch. Zumindest für mich. Und ein paar von euch. Eine weitere, enorm praktische Funktion hat das Blog dazu entwickelt: ein Internetnotizbuch. In dem aufgelistet ist, welche Bands, Filme, Comics ich mal gut fand. Man kann sich ja nicht alles merken. Chronologisch, seit 2008. Weiter so, 11k2! Cheers! Das pic ist von Ilya Chunin und cc0

Rebel Moon: Sternenkrieg in der Pulp Galaxie

Zack Snyder, Meister der Pulp-Version quer durch alle Genres, erfüllt sich seinen Traum vom eigenen Star Wars Film. Mit Hilfe von Netflix, und erfreulicherweise mit neuer Story, also ohne Skywalker, Leia, Chewbacca etc. Allerdings bin ich etwas enttäuscht, dass die Lichtschwerter mit reinkopiert wurden. Der Zweiteiler soll jeweils im Dezember und April ausgestrahlt werden und einen abgeschlossenen Schicksalsroman am Rand irgendeiner Galaxis darstellen. Ich werde mir Rebel Moon auf jeden Fall ansehen, allerdings ohne grosse Hoffnung auf Jahrhundertkino. Nicht bei Meister Snyder, dem Speialisten für Popcorn-Kino, Comic-Verfilmungen und blugetränkte Superheldensagen.

Rose Gray : Ecstasy

Obwohl ich nach wie vor Godflesh, gerade mit dem neuen Album Purge am meisten liebe, hör ich mir gerne auch Musik aus anderen Kulturkreisen an. Egal, ob levantinischer Pop, niederländischer Heavy Jazz, Grrl Drill aus der Bronx oder britischer Retro-Rave. Der Track oben fällt für mich in die letzte Kategorie, fiel mir in einem der Mixtapes/Youtubelists auf dem jwz-blog von Jamie Zawinski (Miterfinder von netscape und Firefox) auf. Dieser Mix von schlimmem 90s Eurodance, nihilistischem Naughties-Brit-Rave, dem herrlich nerdigen Scifi-Setting des Videos und einem deutlich stärkerem Cuteness-Faktor als etwa bei Kylie Minogue oder Bananarama. Nein, ich werde vermutlich auch in Zukunft keinen britischen Danceclub aufsuchen, um mir diesen Sound in seinem angestammten Biotop reinzuziehn, aber ich gespannt, was die Indie-Artistin Rose Gray in Zukunft macht. Quote: „Baby when the sky falls down“.

Warum die Klimakrise immer schlimmer wird

Al Gore, der alte Haudegen für Demokratie und Fortschritt, formuliert hier so präzise und eindringlich, wie man es sich nur wünschen kann: Wir kämpfen deswegen nicht gemeinsam energisch gegen die globale Überhitzung, weil die Ölbarone und ihre Freunde, die Scheichs, unsere korrupten Politiker (FDP, CDUCSU, Afd vor allem) kaufen um ihre eigenen Profite zu garantieren. Klar, wenn du Milliardär bist, kann es dir egal sein, wieviele Küstenländer überflutet werden, wieviele Wälder verbrennen und wieviele Gegenden so heiss werden, dass weder Menschen noch Tiere noch länger dort leben können. Das Problem heisst: Korruption. Und eine gigantische Propagandaschlacht quer durch alle käuflichen Medien. Also gut. Wir, die anderen 8 Milliarden Nicht-Miliardäre, sollten das abstellen. Wir sollten keine Gelegenheit auslassen, diesen Lügen zu widersprechen, auf der Strasse und im Netz, wir sollten durch unsere eigenen Konsumentscheidungen Druck auf die Wirtschaft ausüben, und wir sollten endlich Parteien wählen, die sich ihrer Verantwortung für die Zukunft bewusst sind: Wir können unsere Zivilisation auslöschen, oder in Frieden weiterleben. Unsere Entscheidung.

Lovecraft hatte doch recht: Promachocrinus fragarius

In den Meerestiefen rund um die Antarktis leben Verwandte der Seesterne, die Federsterne (Promachocrinus fragarius), wie uns erst jetzt bekannt wurde. Die Forscher:innen waren so freundlich, bestimmte Spezies dieser 20-armigen, am Körper erdbeerfarbigen Lebewesen Promachocrinus kerguelensis Carpenter zu nennen, damit die Assoziation zu Carpenters Kultfilm „The Thing“ auch klar ist. Wir solllten damit rechnen, dass in der Tiefe des antarktischen Meeres noch weitere Lebensformen existieren, die wir eigentlich lieber nicht sehen möchten. Wir wissen allerdings nicht, was die anhaltende globale Erwärmung und das Abschmelzen des antarktischen Eisschildes noch alles hervorbringt.

Intel und Nvidia Grafikkarten melden deine Pornogewohnheiten

Die freundlichen Nerds bei Techpowerup weisen uns darauf hin, dass Intel und Nvidia die Grafiktreiber ihrer Produkte dazu missbrauchen, private Daten der Nutzer an das jeweilige Unternehmen zu senden. Anders bei AMD, wo die Grafiktreiberinstallation vor dem Abschluss unmissverständlich fragt, ob man das möchte (ich klicke da immer auf Nein). Die von Intel und Nvidia abgesaugten Daten beziehen sich nicht nur darauf, welche Programme man wie oft und wie lange verwendet, sondern auch die besuchten Webseiten. Wie oft und wie lange. Nach Kategorien geordnet. Mit diesen Daten können die beiden Hardwarehersteller dann neue Persönlichkeitsprofile herstellen und an Datenhändler verkaufen, damit diese noch gezielter Menschen manipulieren können. Kommerziell und politisch. Wenn jemand genau weiss, was du magst und nicht magst, wonach du dich sehnst, wovor du dich fürchtest oder ekelst, kann er dir gezielte Werbung unterschieben, die dich manipuliert und deine Entscheidungen beeinflusst. Ob du willst oder nicht. Nein danke, in diesem Fall bleibe ich bei AMD Radeon.

Regel 34: The Empire Strips Back

Genau genommen findet die Regel #34 (Wenn etwas existiert, gibt es auch eine Porno-Version davon) hier nicht exakt, sondern nur eingeschränkt Anwendung: The Empire Strips Back. Es handelt sich hier ja nicht um Porn, sondern eine Burlesque-Show, in der winzige Kohlenwasserstoff-Bekleidungseinheiten sehr wohl eine Rolle spielen. Allerdings zielt beides in dieselbe Richtung, die sicher von Fundamentalisten aller Glaubensrichtungen scharf verurteilt würde. Normale Leute dagegen haben seit 2011 Spass mit dieser Star Wars Parodie, allerdings nicht auf dem alten Kontinent, mit Ausnahme von Paris (war klar), wo die siebenköpfige Theatertruppe ihre Version einer Galaxis weit weg von hier schon einmal zeigte. Ok, das relativ bierernste Star-Wars-Universum verträgt schon ein bischen Auflockerung, also immer her damit. via boingboing

Das Piano weiterentwickeln: Ravenchord

Industriedesigner Dan Harden von der Agentur Whipsaw war nicht zufrieden mit den beiden Bauformen des Klaviers (Flügel und Piano) und gruppierte die Saiten deswegen um. Jetzt kann man den Drähten beim Klingen zusehen und wird beim Spielen nicht von einem riesigen Vorbau in der Sicht aufs Publikum behindert – eher so wie bei einem E-Piano. Die physischen Resonanzkörper der alten Bauformen werden ja heute nicht mehr gebraucht, weil das Tasteninstrument sowieso elektronisch abgenommen und verstärkt wird. Funktional und ästhetisch. Bin gespannt, wann das Teil zu haben ist, und für wieviel.

Warum erwachsene Menschen Afd wählen

Sobald man ein bischen nachdenkt, oder das Programm dieser tatsächlich menschenfeindlichen Partei durchliest, oder Zitate ihrer Funktionäre, versteht man erstmal nicht so ganz, wieso Leute ernsthaft Afd wählen, eine Partei, die letztlich nur den Superreichen und Supermächtigen nützt. Dabei erklärt es dieser Ausschnitt aus einer grossen epischen Erzählung eines vergangenen Jahrhunderts sehr gut. Der düstere Imperator Palpatine nämlich, ursprünglich durch halbdemokratische Manipulationen an die Macht gekommen, versucht hier den jungen Hoffnungsträger der Rebellion mit folgenden Worten einzufangen: „Gut! Nutze deine Aggression, Junge! Fühle, wie der Hass durch dich hindurchfliesst!“ Das ist es. Darum geht es. Wenn der Hass durch dich hindurchfliesst, egal, ob auf Ausländer, Grüne, Juden, Homosexuelle, wenn der Hass in dir lodert, ist alles ganz einfach. Dann bist du auf der richtigen Seite, gereinigt und geheiligt, und alle anderen dürfen rechtmässig umgebracht werden. Dabei geht es hier nicht einmal so sehr um den Hass, sondern darum, dass man es einfach haben möchte. Die Welt ist nämlich beschissen kompliziert, du kriegst nicht, wonach du dich sehnst, und man hat dir von klein auf beigebracht, dass du an allem schuld bist. Aber du willst es einfach. Es soll einfach sein. Also: Hass. Die bittere Wahrheit ist, dass Leute, die Afd wählen (oder ähnlichen Quatsch), innendrin zu weich sind für diese verfickte, kapitalistische, viel zu harte, unmenschliche Welt. Also: Hass. „Fühle, wie der Hass durch dich hindurch fliesst!“ Wir brauchen mehr Leute in der Sozialen Arbeit. Damit der Hass, der Selbsthass, das Selbstmitleid geheilt werden können.